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Das Abenteuer Deutsche Meisterschaft begann für uns am
Donnerstag, den 09. Juli 2009. Nachdem wir am Vortag schon alles eingepackt
hatten, wollten wir uns halb acht im Stall treffen, um acht den Leihtransporter
abholen und dann los. Naja, zumindest war das der Plan. Die Realität: Auto
abholen wollen, schnell noch Carsten wegen der fehlenden Kaution am
Geldautomaten vorbeischicken, feststellen, dass die Turnierkiste zu breit ist
und kurzerhand deshalb noch die zweite Rückbank ausbauen, Plätze der Mitfahrer
im Transporter und Kathas Golf ausknobeln, Micki und Gero aufladen und dann –
endlich – los. Bei Dresden bauten Angie, Luisa, Lene und ich kurzerhand noch
eine kleine Uno-Spiel-Pause ein, um auf den Transporter mit den Pferden zu
warten. Insgesamt dreieinhalb Stunden und ein Wendemanöver im Gewerbegebiet
später eroberten wir Walterslebener Voltigierer die Reitanlage „Partwitzer Hof“
in Klein Partwitz. Objektiv in der Nähe von Hoyerswerda und der polnischen
Grenze gelegen, subjektiv - mitten in der Pampa. Was das konkret bedeuten
sollte, erfuhren Lene, Luisa und ich, als wir nach dem Pferde-Abladen nach
einer Einkaufsmöglichkeit suchten. „Da kommt immer mal einer vorbei“ berichtete
uns die Wirtin der Pension im Nachbarort auf die Frage nach einer Kaufhalle
oder Ähnlichem. Etwa zehn Kilometer weiter fanden wir dank dem NORMA-Schild dann
doch einen REWE, um unsere Großbestellung Getränke umzusetzen. Auf dem Rückweg
wurden wir zudem auf diverse regionale Highlights wie den „Älternabend“ und
„Rock am Rasen“ hingewiesen. Nach unserer Wiederankunft folgte die erste
ungeahnte und ungeplante Zitterpartie des Wochenendes. Während Gero die
Verfassungsprüfung problemlos passierte, war Micki so aufgeregt, dass er statt
schön geradeaus eine mehrfache Schlagenlinie lief. Ergebnis: Holdingbox und
zurückgestellt zur Wiedervorstellung. Sollte die Deutsche für uns schon zu Ende
sein, bevor sie eigentlich angefangen hatte? Zehn Pferde später musste Micki
noch einmal vortraben. Bei den Voltis Zittern, Beten und Übelkeit. Wieder
berieten sich die Tierärzte und Richter. Dann ein kurzes Nicken. Jubelschreie.
Erleichterung. (Schade nur, dass in dem ganzen Trubel Angies und Lenas Handy
abhanden gekommen sind ) Anschließend folgte dann der große Deal: Wenn wir
am Freitag in der Pflicht Letzter werden, muss die Gruppe Thomas ein Eis
ausgeben, beim vorletzten Platz bekommen wir von Thomas ein Eis. Sollten wir
vier Gruppen hinter uns lassen, wollte Thomas mit uns Essen gehen und beim
ersten Platz nach der Pflicht winkte eine Weltreise. Und selbst Christine
stimmte zu. In Vorfreude auf unsere Riesenchance am nächsten Tag wurde die Kür
noch einmal auf dem Holzpferd durchgeturnt. Danach fuhren wir in unser Quartier
und warteten bei Toast und Würstchen auf Christine und das Ergebnis der
Auslosung für den Startplatz in der Pflicht. Viele gespannte Augenpaare
richteten sich dementsprechend auf sie, als die Tür aufging. „Morgen früh 8.30
Uhr – erste Gruppe!“ Entsetzen!!! PAUSE. „Reingefallen. Vorletzte Gruppe, 12.40
Uhr...“ Unser lautes Gejubel wurde durch Christines „... nach Köln...“ zwar
durch ein kurzes Aufstöhnen unterbrochen, aber letztendlich konnten wir doch
mehr als zufrieden sein. Carsten hatte es im Einzel nicht ganz so gut getroffen
und war als sechter von 45 Startern an der Reihe. Doch er nahm es gelassen und
meinte: „Da werde ich wenigstens nicht erst wieder kalt, sondern kann gleich
weitermachen“. Dann kehrte relativ schnell Ruhe ein und Anni, Lena, Angie,
Luisa, Lara, Lena, Carsten, Lene, Christine und ich sanken in die Betten
unserer gemütlichen Unterkunft.
Der erste richtige Turniertag begann morgens um acht mit
Brötchen, Kaffee, Kakao und Orangensaft am Frühstückstisch. Nach der Fahrt zum
Partwitzer Hof folgte das normale Wettkampf-Vorbereitungs-Prozedere: Pferd
putzen und voltifertig machen, den Mädels die Haare einbetonieren, aufwärmen
und ablongieren. Die Spannung stieg, der erste große Auftritt rückte näher. Und
siehe da, das Intensivtraining der voran gegangenen zweieinhalb Wochen machte
sich bezahlt. Der Einlauf klappte tadellos und auch mit der Pflicht konnten wir
absolut zufrieden sein - nicht zuletzt, weil auch Micki sich von seiner
Schokoladenseite präsentierte. Jetzt kam das Warten. Hatte die Leistung
gereicht, um unser Ziel zu erreichen und nicht Letzter zu werden? „Wir bekommen
ein Eis!“, hieß es plötzlich. Tatsächlich, die dritte Gruppe der Ingelsberger
war mit 6,29 Punkten hinter unseren 6,303 geblieben. Wahnsinn! Und prompt
wurden Sprüche wie „Heute Ingelsberg 3, morgen Ingelsberg 2, Sonntag Ingelsberg
1!“ oder „Heute das Eis, morgen das Essen, Sonntag die Weltreise!“ laut. Bei überschwänglicher
Freude muss eben auch mal ein kleiner Ausflug in die Utopie erlaubt sein. Kurz vor Carstens Einzelstart schob sich nach vorangegangener Unwetterwarnung
noch ein kleiner Weltuntergang (Blitz und Donner, Wind in Orkanstärke und fast
waagerechter Regen) ins Programm. Dass Gero deshalb anschließend so flott
unterwegs war und an einer Stelle des Zirkels hereingedrängelt hat, ist zwar
eher unwahrscheinlich, aber immerhin war es auch sein erstes richtiges Turnier
in der Fremde. Die Erwartungen waren bereits im Vorfeld entsprechend
heruntergeschraubt worden und so hielt sich auch Carstens Enttäuschung in
Grenzen. Als dann alle den Weg zurück in die Pension gefunden hatten, endete
der Tag mit - natürlich aus Thüringen importierten -Bratwürsten und Bräteln.
Der Samstag begann mit "Frühstück 06.30 Uhr"
deutlich eher, als der vorhergehende. Da in umgekehrter Reihenfolge vom Vortag
gestartet wurde, waren wir als zweite Gruppe kurz nach zehn dran. Leider lief
diesmal nicht alles nach Plan: das Pferd war nicht so entspannt wie am Freitag,
der Sand auf dem Pad machte uns schwer zu schaffen und dementsprechend klappten
auch so einige Übungen nicht wie geplant. Naja, Schwamm drüber. So blieb
wenigstens für den Sonntag ein großes Steigerungspotential. Das Selbe galt für
Carsten, denn im Technikprogramm hatte Gero Siebenmeilenstiefel an und sich
statt einer gleich zwei Stellen zum Reinlaufen ausgesucht. Dabei hatte draußen
beim Ablongieren noch alles so gut geklappt. "Wenigstens konnte ich das
neue Men-in-black-Dress zeigen", tröstete er sich und spätestens Uwes
spendierte Eis-Runde und die von Udhardts gesammelten Heidelbeeren verbesserten
die Stimmung wieder. Besonders die Schneidis stellten allerdings fest, dass
Heidelbeeren nicht umsonst auch Blaubeeren genannt werden und mussten vor der
nahenden Teilnehmerehrung eifrig Pläne schmieden, wie man blau-lila Finger,
Lippen und Zungen vor den Richtern kaschieren kann. Als dann kurz vor der
Ehrung mal wieder ein Unwetter über uns hinweg zog, hielten wir uns mit
Aerobic, Can-Can und viel Gelächter unter dem Ablongierzelt warm und schützten
auch die uns zugeordnete Trägerin des Thüringen-Schildes per Gruppenkuscheln
vor Wind und Regen. Nach dem offiziellen Teil mit Ansprache und Übergabe der
Teilnehmerschleifen folgte noch ein kleines Fotoshooting, bevor es - teils auch
über Umwege - (Wisst ihr, wo wir langfahren müssen? (Katha) Ja! (Lena, Anni, Angie und Luisa)
Sicher? Ja! Hier rechts oder links? Rechts! Welche Ausfahrt vom Kreisverkehr
… Moment mal, da war kein Kreisverkehr! Doch,
doch, da die erste raus! Also das Ortseingangsschild hab ich noch nie
gesehen! Wir hätten wahrscheinlich das andere Rechts nehmen müssen! Ruft mal
Carsten an!) zum Abendessen ging. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen
Dank an den Opa der Schneidis und Uwe, die für die Getränke und das Essen der
Voltigierer aufgekommen sind. Vor dem Ins-Bett-Gehen ist zum Glück sogar mein
vermisstes Portmonee wieder aufgetaucht. Mit Schwatzen und dem allabendlichen
Bauchmuskeltraining der anderen Art (hauptsächlich durch Situationskomik, wie
Markus: "Mensch, die Nachttischlampe ist aber auch schon antiquiert. Naja,
aber die zu Hause ist noch besser. Die ist so länglich nach oben gezogen und in
der Mitte guckt so was komisches raus…" Katha: "Das ist 'ne
Kerze!") klang der Tag aus.
Mit guter Laune und schönem Wetter starteten wir in den
Sonntag. Christine und Carsten waren schon um sechs zum Stall gefahren, da
Carsten in der Kür früh um acht gleich der Erste war. Die Drohung von Thomas,
die zwei Jahre zuvor schon bei Micki gezogen hatte, nämlich dass er bei noch so
einem Auftritt Fahrpferd werden würde, nahm sich Gero an und ging diesmal
deutlich besser. Entsprechend zufrieden waren Christine und Carsten auch, als
sie sich zu ihrem zweiten Frühstück zu uns an den Tisch gesellten. Für die
Gruppe hatte es das Los mal wieder gut mit uns gemeint. Als sechtes in der
ersten Hälfte war unser Start für 11.40 Uhr geplant. Nach den Ereignissen vom
Vortag wurde diesmal für die Vorbereitung deutlich mehr Zeit einkalkuliert, um
alles in Ruhe angehen zu können. Das zahlte sich aus! In der mit 2.700 Zuschauern
besetzten Halle lief Micki wie ein Bienchen und wir turnten eine tolle Kür. An
zwei, drei Stellen musste zwar improvisiert werden, aber das fiel kaum auf und
Carsten zauberte vor seinem Abgang sogar noch die nur ein Mal geübte
Armbewegung hin. Jubel und Freudentränen nach dem Auslauf. Die Belohnung folgte auf der
Ergebnisliste: Wieder nicht Letzter! Fantastisch! Anschließend trafen wir uns
auf Thomas' Einladung hin (da war ja noch was vom Freitag offen) wieder einmal
alle am Eiswagen und anschließend am Strand des Partwitzer Sees, wo wir die
Ereignisse des Wochenendes Revue passieren lassen wollten. Fazit: das
"Experiment Deutsche Meisterschaft" ist trotz kritischer Stimmen und
Bedenken im Vorfeld gut gelaufen, unsere Ziele haben wir erfüllt und wir können
stolz auf uns sein. Jedoch ermahnte uns Thomas nach dem Motto "Nach dem
Turnier ist vor dem Turnier!", uns nun auf die Thüringer
Landesmeisterschaften in sieben Wochen in Wollersleben zu konzentrieren, um die
Grundlage für eine Wiederteilnahme 2010 auf dem Schlobachshof zu schaffen.
Einstimmiges Kopfnicken bei den Voltis zeigte, dass wir genau das anstreben.
Nach Auflösung dieser kleinen Versammlung, traten zunächst unsere Pferde mit
Thomas und Carsten die Heimreise an. Die Anderen verfolgten noch das Finale der
Gruppen und Lenas Handy tauchte auch wieder auf. Zwischen fünf und sechs waren wir
Voltis wieder im heimatlichen Stall in Waltersleben eingeflogen, um das
Turnierzeug wegzuräumen und die Kuchenreste zu vernichten. Das letze zu
erwähnende Ereignis dieses spannenden Wochenendes wurde von Sabines
"Aaaaahhhhh. Oh nein. Scheiße!" begleitet, was - wie sich
herausstellte - ziemlich wörtlich zu nehmen war. Ihr Autoschlüssel war beim
Spülen ins Toilettenbecken gefallen. Zum Glück war er nicht weit gekommen und ein
beherzter Griff ins Klo konnte die Situation entschärfen. Kurz darauf traten wir unsere Heimwege an. So ging ein Wochenende mit vielen
neuen Erfahrungen und Eindrücken oder kurz gesagt die erste Deutsche
Meisterschaft für Waltersleben I zu Ende.
Katha Ein
großes Danke möchte ich noch an Andreas richten! Ohne dich weiss man
nich wie es im Einzel gelaufen wäre! Als Weltbester Longenführer! Danke
für deine Bemühen und deine tolle Leistung! Carsten
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